Lexikon Frauenratgeber: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Angebote zur Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehören zu einer funktionierenden Gleichstellungspolitik, insbesondere wenn familienorientierte Männer damit angesprochen werden, sind sie doch den gleichen Benachteiligungen – geringeres Einkommen, geringere Rentenansprüche, geringere Anerkennung, auch in Form von Beförderungen – ausgesetzt wie Frauen, die :Elternzeit beanspruchen, sich wegen Kindererziehung beurlauben lassen, auf Teilzeit gehen (insbesondere in Führungspositionen) oder andere Arbeitszeitmodelle (- Telearbeit, - Sabbatical) wählen. Den Konflikt tragen eher Frauen aus, ausgerechnet in der Zeit, in der unbegrenzte Verfügbarkeit vorausgesetzt wird: zwischen 25 und 40 Jahren. Männer als „Zeitpioniere" sind hingegen immer noch selten. Dabei entsprechen die real abgeleisteten Arbeitszeiten nicht den eigentlichen Wünschen. Umfragen zufolge wollen Frauen mehr und länger arbeiten, Männer hinge gen lieber kürzer (WSI FrauenDatenReport 2005).

Wenn Vorgesetzte umdenken lernen und sich z. B. in dienstlichen Beurteilungen „Familienarbeit" nicht als fehlendes Karrierebewusstsein niederschlägt, könnte sich hier etwas ändern. Die Voraussetzungen dafür sind besser geworden: Die Aufforderung zu Angeboten familiengerechter Arbeitszeiten mitsamt Benachteiligungsverboten gibt es in fast allen Förderplänen, als Qualifikation hat sich Familienarbeit durchgesetzt, Teilzeitbeschäftigung unterliegt dem  Gleichbehandlungsgebot. Außerdem sind Regelungen für die - Rückkehr zur Vollzeit und den - Wiedereinstieg, nicht nur bei familienbedingter - Teilzeit, - Beurlaubung oder Elternzeit vorgesehen.

(Siehe Anhang Gleichstellungsgesetze: Familiengerechte Arbeitszeiten)

Auch die Politik setzt vermehrt Zeichen. Das Bundesfamilienministerium wird nicht müde, „für ein neues Leitbild von Männern und Vätern in der Gesellschaft" zu werben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe" zu erheben. Unter dem Oberbegriff „Work-Life-Balance" soll sich die Arbeitswelt familienfreundlicher zeigen, Kinderbetreuungsangebote werden „bedarfsgerecht" ausgebaut, die Öffnungszeiten von Tagesstätten erweitert. Im Januar 2005 wurde der erste „Familienatlas" vom Bundesfamilienministerium vorgestellt, der die Ergebnisse einer Um frage zum „Standortfaktor Familienfreundlichkeit" widerspiegelt. 2007 wurde er aktualisiert. 439 Städte und Kreise der Republik wurden danach bewertet, wo es sich als Familie gut wohnen und leben lässt.

  

Die Arbeitsmarktforscherin Alexandra Wagner äußerst sich im Info-Brief 2/03 des DGB dazu u. a. so: „Heutige ‚Normalarbeitszeiten' gehen auf den traditionell von Reproduktionsarbeit freien männlichen Familienernährer zurück und sind nicht für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie konzipiert ... Kürzere und planbare Arbeitszeiten würden nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, sondern könnten die Lebensqualität von Frauen und Männern verbessern. Für die Beschäftigungssituation wäre das kein Nullsummenspiel, denn durch die Umverteilung der Erwerbsarbeit zugunsten von Frauen würde ein Teil der bisher unentgeltlich geleisteten und privat verausgabten Hausarbeit in Erwerbsarbeit im Dienstleistungssektor transferiert und damit zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Damit wäre auch eine Professionalisierung vieler dieser Tätigkeiten verbunden".

(Verschiedene Projekte zur Frauenförderung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind in der Broschüre „Verwaltungsmodernisierung und Gleichstellungspolitik in den Kommunen – 11 Best-Practice-Beispiele aus NRW" von Elke Wiechmann zusammengefasst)


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